Corona in Indien: Hunger und Verzweiflung im Armenviertel

Die Corona-Pandemie trifft vor allem Indiens arme Bevölkerungsteile besonders stark. Sie leiden unter den massiven gesundheitlichen, aber auch wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Hunger, Arbeitslosigkeit, Angst und Perspektivlosigkeit bestimmen den Alltag. Im Armenviertel Bhalswa Dairy der Hauptstadt Neu-Delhi hilft unsere Partnerorganisation Deepti Foundation den Betroffenen. Wie erleben sie die Corona-Krise?

Text: Katharina Draub, Fotos: Kindernothilfe-Partner

„Die Menschen hier leben in Angst. Sie wissen nicht, wie sie sich und ihre Kinder ernähren sollen“, berichtet Father Santhosh, Direktor der Deepti Foundation, „das ganze Gebiet ist von Armut betroffen.“ Über 1.000 Familien unterstützt die Organisation mittlerweile in Bhalswa Dairy. Zunächst hatten sie sich erst einmal auf die Familien konzentriert, die sie von ihrer bisherigen Arbeit kannten, aber es wurden immer mehr Bedürftige, die nach Hilfe gefragt haben. Fast täglich verteilen die Mitarbeitenden seit Mitte April große Pakete mit wichtigen Nahrungsmitteln: zehn Kilogramm Reis, fünf Kilogramm Weizenmehl, zwei Kilogramm Dal, ein Kilogramm Zucker und ein Kilogramm Salz gibt es für die Familien. „Eine Tüte reicht für ungefähr zehn Tage“, sagt Father Santhosh.

Lebensmittel für Bedürftige

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die Mitarbeitenden der Deepti Foundation vor Ort helfen können. Denn auch in Indien hat die Regierung einen Lockdown veranlasst, und sie mussten sich um eine Bescheinigung bemühen, die ihnen es erlaubt, „draußen“ helfen zu dürfen.

Zunächst haben die Helfer 5.000 Gesichtsmasken gekauft und in Bhalswa Diary verteilt. „Als wir dort angekommen sind, haben wir die erbärmliche Situation der Menschen gesehen. Das gesamte Viertel ist stark von Covid-19 und der Pandemie betroffen“, erzählt der Direktor. „Viele Menschen kamen dann auf uns zu und haben um Hilfe und Essen für ihre Familien gebeten“, sagt er weiter. Denn obwohl die Regierung eine Art Gemeinschaftsküche für die Menschen dort eingerichtet hat, gehen viele Einwohner mit leeren Händen und Bäuchen wieder zurück. „Sie haben keinerlei Ersparnisse, um sich in der Corona-Krise ernähren zu können“, weiß Santhosh.

 

Masken werden verteilt als Schutz vor dem Corona-Virus
Masken als Schutz: Im armen indischen Viertel sollen sie eine Ausbreitung des Virus vermeiden
Aufklärung zu den Schutzmaßnahmen

Die Folgen der Pandemie: 80 Prozent der Menschen sind bereits arbeitslos. Nun stehen sie ohne Einkommen da und wissen oft nicht weiter. Dazu kommt das Gefühl des Bedrohtseins: „Eltern haben Angst um das Leben ihrer Kinder“, so Santosh. Nicht alle haben Gesichtsmasken, um das Virus einzudämmen. „Das Grundrecht eines Kindes auf Überleben steht auf dem Spiel“, betont unsere Partnerorganisation Deepti Foundation. Deswegen machen die Mitarbeitenden vor Ort Umfragen, um so besonders Bedürftige ausfindig zu machen und die Hilfe zu koordinieren.

„Bei der Verteilung der Food-Kits achten wir darauf, dass die Abstandsregeln eingehalten werden und die Menschen Schutzmasken tragen“, betont Father Santhosh. Denn auch Aufklärung gehört zu ihren Aufgaben. Viele Menschen wissen nicht, welche Schutzmaßnahmen es gibt und wie sie mit dem Virus umgehen müssen. Sofern sich mehrere Menschen versammeln, ruft die Organisation die Polizei aus Delhi zur Hilfe. Der Direktor berichtet: „Sie helfen uns immer. Auch wenn sie einen Hilferuf von bedürftigen Menschen erreicht, informieren sie uns und wir wenden uns direkt an die Menschen und können ihnen helfen.“

Mit einem Sicherheitsabstand als Schutz vor dem Corona-Virus bekommen die Menschen Grundnahrungsmittel von Helfern überreicht
Mit einem Sicherheitsabstand bekommen die Menschen Grundnahrungsmittel von Helfern überreicht

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Autor: Kindernothilfe e.V.

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