Unser Einsatz: Kinder vor Online-Gewalt schützen

Kinder sind im Internet zahlreichen Gefahren ausgesetzt – auch die Kinder in unseren Partnerländern. Missbrauchsdarstellungen und sexualisierte Ausbeutung sind dabei die furchtbarsten Gewaltformen, die Kindern widerfahren. Die Kindernothilfe setzt sich auf verschiedene Arten dafür ein, jegliche Gewalt gegen Kinder zu beenden und sie zu schützen – auch im Internet. Wir sensibilisieren unsere Partnerorganisationen für das Thema Online-Gewalt, schulen sie im Rahmen unserer Kinderschutzschulungen und unterstützen sie bei ihrer Arbeit. Zudem machen wir uns auf politischer Ebene stark.

Text: Dr. Magdalene Pac

Die Online-Gewalt, die Kinder erleiden, hat viele Formen: Zum einen die Gewalt unter den Kindern und Jugendlichen selbst (Cyber-Mobbing), zum anderen die Anbahnung sexueller Ausbeutung durch Erwachsene, die in sozialen Medien Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufnehmen (das sogenannte Grooming). Hinzu kommt die alarmierend steigende Zahl von Missbrauchsdarstellungen im Internet sowie die sexualisierte Gewalt an Kindern, die per Live-Stream übermittelt wird.

Gefahren für Kinder im Internet weltweit

In unseren Partnerländern sind Kinder ebenfalls zunehmend Gefahren im Internet ausgesetzt. Die Nutzung des Internets nimmt in den Ländern des globalen Südens rasant zu. Von den rund 4,13 Milliarden Internetnutzer:innen weltweit lebt der größte Anteil in Asien (49%). Südostasien ist eine der internetaffinsten Regionen der Welt, wobei die Philippinen mit durchschnittlich 10 Stunden Bildschirmzeit pro Tag die globale Liste anführen. Afrika hingegen verzeichnet mit jährlich 20 % Wachstum an Internetnutzer:innen die stärksten Wachstumsraten. Allerdings ist das gesellschaftliche Bewusstsein für die Gefahren im Internet oftmals nicht gegeben und es fehlt dabei an geeigneten Rahmenbedingungen für den Kinderschutz. Regulierende Gesetze sind entweder nicht verabschiedet oder werden nur unzureichend implementiert.

Online-Gewalt
Die Kindernothilfe ermöglicht Kinderschutz-Schulungen. (Quelle: Lars Heidrich)
Schulungen unserer Partnerorganisationen für einen besseren Schutz von Kindern im Internet

Als Kindernothilfe wollen wir unseren Partnern in ihrer Arbeit stärken. Unter anderem bieten wir ihnen und anderen interessierten Organisationen deshalb Weiterbildungen an. Einen Schwerpunkt bildet dabei das Thema Kinderschutz, das auch den Schutz von Kindern im Internet umfasst. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung haben wir im Rahmen unserer Schulungen ein Modul zu Online-Sicherheit entwickelt und führen es derzeit mit vielen unserer Partnerorganisationen durch. Zudem unterstützen wir sie dabei, sich auf politischer Ebene – lokal, national oder international – für bessere Rahmenbedingungen stark zu machen.

Sensibilisierung für die Gefahren im Internet als Teil von Schulunterricht – ein Projekt der Stairway Foundation auf den Phillipinen

Zahlreiche unserer Partnerorganisationen setzen sich für den Schutz von Kindern im Internet ein. Das gilt besonders für die Stairways Foundation. Ein gemeinsames Projekt mit diesem Partner zielt darauf, Kinder und Jugendliche präventiv für die Gefahren des Internets zu sensibilisieren. Speziell für Schulen und andere Bildungseinrichtungen hat die Stairway Foundation in enger Abstimmung mit dem Bildungsministerium Unterrichtseinheiten entwickelt, die dauerhaft im Unterricht verankert werden sollen. Um sie auch unter Coronabedingungen nutzen zu können, sind sie auch online abrufbar..

Online-Gewalt ist weltweit Thema
In unseren Partnerländern sind Kinder ebenfalls zunehmend Gefahren online ausgesetzt. (Quelle: Jakob Studnar)

Darüber hinaus werden im Rahmen des Projektes Lehrer:innen und andere verantwortliche Personen in die Lage versetzt, Verdachtsfälle von Missbrauch schneller zu erkennen und kompetent darauf zu reagieren. Es bestärkt Lokalpolitiker:innen darin, den Kinderschutz durch gesetzliche Bestimmungen auf lokaler Ebene sicherzustellen.

Stairways hat vor einigen Jahren auch das regionale Netzwerk „Break the Silence“gegründet, das mittlerweile 45 Organisationen zählt. Gemeinsam setzen sich die Mitglieder dafür ein, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder beendet wird. Einige Partner von uns auf den Philippinen sind ebenfalls Teil dieses Netzwerks.

Doch auch die internationale Gemeinschaft ist gefragt, sagt Ysrael C. Diloy, Senior Advocacy Officer bei Stairways: „Kinder in den Ländern des globalen Südens sind sexualisierter Online-Gewalt oft schutzlos ausgesetzt, weil Gesetze und Ressourcen fehlen, um auf Kinderrechtsverletzungen zu reagieren. Nur die gezielte Unterstützung auf internationaler Ebene kann sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche weltweit das gleiche Maß an Schutz erhalten. Denn dieses Verbrechen kennt keine Grenzen.“

Eine effektivere Strafverfolgung fördern – die Arbeit von ECPAT Thailand

Unser Partner, ECPAT Foundation in Thailand, setzt sich ebenfalls dafür ein, sexuelle Gewalt an Kindern zu verhindern. Er arbeitet eng mit den zuständigen Behörden zusammen, um die gesetzlichen Grundlagen und die Strafverfolgung zu verbessern.  ECPAT schulte beispielsweise gemeinsam mit der Hanns-Seidel-Stiftung ganz gezielt Strafverfolgungsbeamte. In diesen Fortbildungen lernten Polizist:innen, Anwält:innen und Gerichtsmediziner:innen, wie sie ordnungsgemäß bei Straftaten im Bereich der sexuellen Ausbeutung und der Missbrauchsdarstellungen von Kindern im Internet ermitteln. Das umfasst zum Beispiel die Identifizierung von Täter:innen und einschlägigen Internetseiten mithilfe von digitaler bzw. Computerforensik. Von großer Bedeutung ist zudem die Fähigkeit, gelöschte und versteckte Dateien aufzuspüren und so Beweise gegen Täter:innen zu sammeln.

Auch mit dem Justizministerium gibt es eine enge Zusammenarbeit. Dazu gehört etwa die Entwicklung gemeinsamer Strategien für die Verwaltung und Behandlung spezifischer Missbrauchsfälle im Zuständigkeitsbereich der verschiedenen thailändischen Strafverfolgungsbehörden. Mithilfe von ECPAT hat das Ministerium für Kinder und Jugendliche mittlerweile einen nationalen Strategieplan für den Online-Kinderschutz aufgestellt – ein wichtiges Mittel im Kampf gegen Missbrauch und Ausbeutung von Kindern im Internet.

(Quelle: Kindernothilfe-Partner)
Die Nutzung des Internets nimmt in den Ländern des globalen Südens rasant zu. (Quelle: Kindernothilfe-Partner)

Eine besonders wichtige Rolle für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Online-Gewalt spielen Eltern, Lehrer:innen und sonstige Betreuer:innen in der Kinder- und Jugendarbeit. „Aus diesem Grund haben wir ein Toolkit erstellt, das den Betroffenen helfen soll, ihre Kinder besser zu schützen“, berichtet Ketsanee Chantrakul, Programmmanager bei ECPAT Thailand. „Auf der Grundlage dieses Toolkits haben wir auch Schulungen für Trainer organisiert und die Teilnehmer:innen dazu befähigt, mit Kindern verschiedener Altersstufen sensible Themen im Zusammenhang mit Online-Gewalt zu besprechen. “

Unsere politische Arbeit in Deutschland

Die Kindernothilfe ist auch Teil des deutschen ECPAT-Netzwerkes. ECPAT Deutschland e. V. – Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung – ist ein bundesweiter Zusammenschluss von 29 Institutionen und Gruppen. ECPAT Deutschland ist zudem Mitglied von ECPAT International mit Sitz in Thailand. Die Arbeitsgemeinschaft engagiert sich in verschiedenen Arbeitsbereichen (Politik, Justiz, Wirtschaft und Bildung). In Zusammenarbeit mit staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen führt sie verschiedene Kampagnen und Projekte durch. Dabei geht es darum, die Öffentlichkeit aufzuklären und zu sensibilisieren, aber auch Präventivmaßnahmen zu entwickeln und bessere rechtliche Grundlagen zum Schutz der Kinder und Jugendlichen im Netz zu schaffen.

*ECPAT steht für End Child Prostitution, Child Pornography & Trafficking of Children for Sexual Purposes

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Autor: Kindernothilfe e.V.

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