Wer schützt die Kinderrechte in Honduras?

In Honduras stand heute die Überprüfung der menschenrechtlichen Situation im sogenannten UPR-Verfahren der Vereinten Nationen an. Die Menschenrechtslage in dem zentralamerikanischen Land ist besorgniserregend. Vor allem die Jüngsten leiden unter den Auswirkungen von Armut, Gewalt und der Verletzung der Kinderrechte. Deshalb hat unser Partner COIPRODEN zusammen mit Kindern und Jugendlichen Empfehlungen erarbeitet, wie die Situation in Honduras verbessert werden kann.

Von Nina Zegowitz

„Als Kind gehe ich nicht allein auf die Straße, weil ich entführt und vergewaltigt werden kann.“ Solche Ängste sind für junge Menschen in Honduras bittere Realität. Denn Morde und Menschenhandel sind an der Tagesordnung. Gerade mit Blick auf die Kinderrechte zeichnet sich ein düsteres Bild: Kinder und Jugendliche sehen oft nur einen Ausweg aus der Armut: den Eintritt in die Maras. Das sind ursprünglich kriminelle Jugendbanden, die vor allem in Mittelamerika operieren, aber auch in den USA aktiv sind.

„Die Kinder, die in die Maras eintreten, haben keine Alternative“, sagt die fünfzehnjährige Maylin. „Für sie gibt es weder Schule noch Arbeit. Sie würden alles tun, um zu überleben.“ Und ein anderes Mädchen fügt hinzu: „Sie werden gezwungen, Drogen zu verkaufen, weil niemand ein Kind verdächtigen würde. Wer nicht mitmacht, setzt das Leben der Eltern und Geschwister aufs Spiel.“

Wo bleiben die Kinderrechte?

Eins ist klar: Die Betroffenen wollen etwas verändern, indem sie sich Gehör verschaffen. Denn Kriminalität und Migration sind keine Zukunftsperspektiven. Wo bleiben da die Kinderrechte? Unser Partner COIPRODEN hilft ihnen dabei. Das Netzwerk hat betroffene Kinder und Jugendliche im ganzen Land gefragt, wie sie ihren Alltag und die ständige Bedrohung und Gewalt erleben. Gemeinsam haben sie Empfehlungen und Forderungen erarbeitet, damit die Regierung endlich ihre Rechte anerkennt und schützt.

Jugendliche einer Arbeitsgruppe für Kinderrechte hocken am Boden und beschriften ein Plakat
Wer seine Rechte einfordern will, muss sie erst kennenlernen.

Kinder bringen sich ein

Teil der COIPRODEN-Initiative war es, den Kindern den UPR-Prozess zu erklären. So erfahren sie, dass sich die UN-Mitgliedstaaten alle fünf Jahre gegenseitig überprüfen. Ziel des Verfahrens ist es, durch Empfehlungen zur Verbesserung der Menschenrechtssituation Druck auf die Regierung auszuüben. Auch zivilgesellschaftliche Organisationen können sich beteiligen und Empfehlungen aussprechen.

Genau dafür hat COIRPDEN die Umfrage unter den Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Ihre schlechten Erfahrungen mit den Kinderrechten machen sie zu Experten für Verbesserungsvorschläge. Die haben sie in einem interaktiven Dialog gesammelt. Zum Schluss haben sie selbst eine UPR-Sitzung (englisch für Universal Periodic Review) nachgespielt und sind dafür zum Beispiel in die Rolle der honduranischen Regierung oder anderer UN-Mitgliedsstaaten geschlüpft.

UPR-Verfahren zu mThema Kinderrechte in Honduras in einem UN-Sitzungssaal in Genf
UPR-Verfahren in einem UN-Sitzungssaal in Genf

Gewalt trifft besonders Minderjährige

„In dem Viertel, in dem ich wohne, haben sie einige Nachbarn getötet, nur weil sie der dort herrschenden Mara nicht beigetreten sind“, erinnert sich eines der teilnehmenden Kinder. Die straff organisierten Gangs verüben Morde, handeln mit Menschen, Waffen und Drogen, betreiben Prostitution und Autoschieberei und bedienen sich dabei vor allem Minderjähriger.

Von den 3.733 Mordfällen, die Honduras für das Jahr 2018 verzeichnet, treffen 51,5 Prozent Kinder und Jugendliche. 2019 wurden jeden Monat 14 Personen Opfer von Menschenhandel, die meisten von ihnen waren zwischen 14 und 16 Jahren alt. Die Aufklärungsrate ist erschreckend gering – 2018 etwa erreichte sie nicht einmal ein Viertel. Solche Zahlen schüren Angst und werfen ein Schlaglicht auf die fortwährende Verletzung der Menschen- und Kinderrechte.

Wellbelchhütten an einer Straße in Honduras. Im Hintergrund sortiert ein Kind Altpapier.
Kinder und Jugendliche sind der Gewalt in Honduras in besonderem Maße ausgesetzt.

„Wächter des Vaterlands“

Armut, fehlende Bildung, Chancenlosigkeit und die Gewalt der Maras – das alles führt dazu, dass sich ganze Familien, aber auch unbegleitete Minderjährige gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen. Statt den Problemen mit dem Ausbau von Schulen oder Sozialprogrammen zu begegnen, treibt die Regierung eine Initiative zur Werteerziehung voran, das den Namen „Wächter des Vaterlandes“ trägt. Es fördert die Militarisierung von Kindesbeinen an und verstößt gegen zahlreiche Kinderrechte. „Die Menschen gehen weg, weil es in anderen Ländern bessere Möglichkeiten gibt als in Honduras“, erklärt Maylin. Deshalb hält sie es für so wichtig, die Lebensbedingungen zu verbessern, auch und gerade für Kinder und Jugendliche.

Bildung ist der Schlüssel

Eine gute Schulbildung ist zentral für den Ausbau und Schutz der Kinderrechte in Honduras. 2018 besuchten gerade einmal 53,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine Schule. Und selbst die haben es oft mit schlecht ausgebildeten Lehrern zu tun.

„Schafft die Verwendung von Uniformen in Schulen ab und stattet sie mit Büchern und Schreibtischen aus!“, fordern die Teilnehmer der COIPRODEN-Initiative. Und: Bildung für alle muss kostenfrei und allgemein zugänglich sein, und es muss allen Schülern möglich sein, in Ruhe zu arbeiten und zu lernen. Denn je früher Kinder begreifen, dass sie eine Stimme haben, die zählt, desto besser können sie ihre Kinderrechte verteidigen und gegen Rechtsverletzungen vorgehen – so wie Maylin und die anderen, die COIPRODEN so erfolgreich für das heutige UPR-Verfahren aktiviert hat.

Kinder halten Spielzeugpistolen in die Höhe: Übung zur Gewaltprävention in einer Grundschule in Tegucigalpa. Kinderrechte kommen hier meist zu kurz.
Übung zur Gewaltprävention in einer Grundschule in Tegucigalpa. Gemeinsam lernen die Kinder, dass Gewalt und Waffen keine Lösung sind. Am Ende tauschen sie ihre Spielzeugwaffen gegen ein Schul-Kit ein.

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Autor: Kindernothilfe e.V.

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